Sommerschicht im "Lakeoffice"

Sommerschicht im "Lakeoffice"

Ich möchte Euch ein paar Tipps an die Hand geben, wie Ihr Eure Fischerei im Sommer auf das nächste Level pushen könnt.

 

Der eine oder andere wird sich jetzt zwei Fragen stellen. Warum geht man im Sommer überhaupt zum Karpfenfischen und warum muss man seine Fischerei anpassen.
Die erste Frage ist schnell beantwortet. Der Sommer ist zwar nicht die klassische Bigfish-Zeit, es besteht aber trotzdem die Chance auf gute Fische. Der andere Grund ist viel näher liegend, auf der Couch hat noch niemand einen Fisch gefangen.

Warum muss man seine Fischerei anpassen?
In meinen Augen verbringt man im Sommer deutlich weniger Zeit am Wasser als im Herbst, wenn man das ganze Wochenende am See verbringen kann. Ich befische hauptsächlich Baggerseen zwischen 4 ha und 50 ha. Sobald die Wassertemperatur die 20 Gradmarke knackt ist es beim besten Willen nicht mehr möglich tagsüber an den Seen zu fischen. Dieser Umstand führt mich zur ersten Überlegung. Wann und wo ist ein effektives Fischen überhaupt möglich? Mein Ziel ist es dem Badebetrieb auszuweichen, also ist die beste Zeit von 9 Uhr abends bis etwa 8 Uhr in der Früh. Die besten Stellen finden sich in meinen Augen da, wo tagsüber die Heerscharen von Sonnenanbetern brutzeln. Ich suche mir dann an den Badestränden kleine Vorsprünge im Uferverlauf. Gemeint sind kleine Vorsprünge unter der Wasseroberfläche, die die Fische zwingen drum herum zu schwimmen. Diese Stellen sind sehr ufernah, im Moment befische ich ein kleines Plateau, keine 20 Meter vom Ufer entfernt.
Damit kommen wir auch zu dem Bild mit dem Trolly. Der Trolly sollte zum einen top in Schuß sein, damit meine ich ganz klassisch, dass genügend Luft in den Reifen ist und die Räder gut geölt sind. So kommt man schnell an den Angelplatz und vor allem leise. Auf so eine nahe Entfernung zum Spot ist Ruhe der Schlüssel zum Erfolg.
Zum anderen sollte das Tackle sehr knapp gehalten werden, es muss sich extrem schnell aufbauen und wieder abbauen lassen. Es macht keinen Sinn, wenn man nur wenige Stunden am Wasser verbringt, sein Camp 3 Stunden aufzubauen.
Die extrem knapp bemessene Zeit bringt mich auch zu der Frage, welches Futter verwendet werden soll. Ich verwende im Sommer gerne einen Mix aus Partikeln und Boilies.
Tigers sind die brauchbarsten Partikel für den Sommer, viele kleinere Fische mögen keine Tigers und man kann damit zumindest ein stückweit selektiv auf Karpfen anfüttern. Tigers sind aber nur ein Teil der bestmöglichen Futterkombi. Ich verwende gerne eine Mischung aus Bloodworm, Hemp und Liver-Boilies. Die kleineren Hemp-Boilies sollen Weissfische ablenken. An die Angel kommen nur die größeren Stinker zusammen mit einem auffälligen weißen Poppi. Dieses Jahr hat sich bei mir ein weißer Coconut-Poppi aus der Range von BestBaits bewährt.

Gut, wir haben jetzt unseren Platz gefunden und vorgefüttert, nur wie kommt alles zu den Fischen?
Eine Erfahrung die ich schon öfter schmerzhaft machen musste, ist das man sich oft bei der Entfernung verschätzt. Man ist es gewohnt auf 80 m bis 100 m zu werfen und kann deshalb auch auf die Entfernung die Genauigkeit gut abschätzen. Beim Angeln vor den eigenen Füßen ist es anders, man kann nicht voll durchzünden. Ich verwende seit diesem Jahr sogenannte "distance sticks". Vom Prinzip her eine einfache und geniale Sache. Man steckt zwei Banksticks mit einer Verbindungsschnur zwischen den Sticks in den Erdboden. Man misst im Vorfeld die Länge der Leine, bei mir sind es 2,5 m. So kann man die Entfernung genau ausmessen. Es wird das Blei mit dem Rig um einen Stick gewickelt und die Schnur dann zwischen den Sticks gespannt.
Es war für mich am Anfang ungewohnt, weil mir diese Methode zwar bekannt war, aber ich sie noch nicht eingesetzt hatte.
Dank der an der Rolle eingeclipten Schnur landet dann auch jeder Wurf exakt im Ziel und es kann losgehen. Man wirft die Ruten dann auch nur einmal und hat daher maximale Ruhe am Spot.
Meiner Erfahrung nach werden bei dieser schnellen Fischerei über Nacht auch die besonderen Fische eines Gewässers gefangen, so wie dieser markante Spiegler mit seiner auffälligen Färbung und dem einzigartigen Schuppenbild.
Aber es besteht auch immer die Chance auf einen der größeren Bewohner eines Gewässers.
Ich hoffe ihr konntet die eine oder andere Anregung mitnehmen und kommt auch einen Schritt weiter.
Euer Brandy