Nahe Karpfen

Nahe Karpfen

Schon im April stellte ich an einem See in Frankreich fest, dass die Karpfen näher sind als wir es meistens vermuten. Nach der ersten mehr oder weniger erfolglosen Nacht, in der wir nur eine Schleie fingen, bemerkten wir morgens, dass an der anderen Seeseite, die nur 100 Meter von uns entfernt war, dort die Karpfen in regelmäßigen Abständen sprangen. So zogen wir, mit im Gepäck natürlich unsere Lotrute, nach einem leckeren Kaffee und ein paar leckeren Broten zu der anderen Uferseite. An der Stelle angekommen, bahnten wir erstmal vorsichtig den Weg durch die Büsche, die an der ganzen Uferseite wucherten und daher diese Angelplätze somit sperrten. Nachdem wir nun jeder unseren Spot ausgelotet hatten und noch mit einer Portion Partikel und ein paar Händen Boilies gefüttert hatten, gingen wir wieder zu unserem Platz um die Ruten auszulegen.
Nach gut 10 Minuten lief meine rechte Rute ab. Allerdings merkte ich direkt nach dem Anhieb, dass dies kein Karpfen sein konnte, sondern eine Schleie von gut 3 Pfund war. Ich hatte gerade den Fisch wieder zurückgesetzt, da zog meine mittlere Rute ab.
Doch nach diesem Anhieb merkte ich, dass dort dieses Mal ein Karpfen dran war. Dieser war zwar mit 8 Pfund kein Riese, aber immerhin der erste Fisch. Als ich ihn gerade über den Kescher führte, zog meine linke Rute nun ab. „Wahnsinn“, dachte ich „3 Fische in knapp 15 Minuten und dieser war nun mit knapp 19 Pfund doch was stärker und schwerer.“ Da ich nun 2 Fische in unseren Keschern hatte, hab ich den zweiten erstmal in den Karpfensack gepackt und den ersten zum Fotoshooting bereit gemacht und versorgt. Im selben Moment zog die linke Rute von Jens ab und dort war nun endlich der erste 20+ Carp dran. Somit gab’s dann noch ein schönes Doppel-Shooting.
Wir fingen in sage und schreibe 1-2 Meter Entfernung vom Ufer insgesamt 21 Karpfen.
Diese Erfahrung wollte ich nun auch auf mein Hausgewässer übertragen und bereitete nun meine erste Session vor, wo ich nah fischen wollte.
Jens war auch wieder mit von der Partie und fischte schon eine Nacht länger. Ich suchte mir mit meiner Lotrute eine Stelle 5 Meter weg vom Ufer und legte dort meine Montage ab. Morgens früh gegen 7 Uhr kam endlich das lang ersehnte Geräusch meines Bissanzeigers…FULLRUN. Also raus aus den Federn Rute aufnehmen. Anschlag …und was ist das? Der Fisch zog heftig, die 0,35 Skala von meiner Rolle und zog stur in die Weite. Da war mir schon klar, dass dies kein kleiner Fisch sein konnte. Nach 30 Minuten schlossen sich dann die Keschermaschen.
35 Pfund so konnte das Jahr beginnen.
Beim nächsten Fischen wählte ich nun eine andere Stelle und wollte dort nun 2 Nächte bleiben. In der ersten Nacht war noch ein Bekannter dabei und hielt felsenfest an seiner Meinung, die großen Karpfen halten sich weit draußen auf.
Dieses Mal war ich wieder bewaffnet mit einer Menge an Partikeln und Boilies.
Ich lotete den ersten Spod aus. 10 Meter vom Ufer und 2 Meter tief und direkt an einer Kante die auf 5 Meter abfällt. Den zweiten Spod 15 Meter “weit” raus in 3 Metern Tiefe. Auf beide Stellen fütterte ich 10 Futterraketen mit Partikeln und eine Hand voll Boilies.
Die erste Stelle befischte ich mit „Selfmade Shellfisch“ und die 2 mit „Extrem Fish II“ von Best Baits.
Gegen 23 Minuten bekam ich den ersten Biss auf die Rute mit Extrem Fish II, aber leider nur ein Brassen. Als ich mich gegen 1 Uhr ins Zelt verkroch, wusste ich noch nicht, dass ich dort nicht lange bleiben sollte. Um 1:30 Uhr zog meine ‚Extrem Fish II Rute’ erneut ab und nach einem kurzen Drill lag dann ein schöner 30 Pfund Schuppi vor mir. Nachdem der Fisch versorgt war, wurde erneut nachgefüttert und die Rute neu beködert. Bis zum nächsten Morgen war nun erstmal Ruhe, sodass ich nach dem Frühstück erneut meine Ruten beköderte und die Spods nachfütterte. Gegen 12 Uhr bekam meine Rute mit den Selfmades einen einzelnen Pieper. Waren die Karpfen am Platz? Diese Frage wurde mit einem Fullrun beantwortet. Direkt nach dem Anhieb merkte ich, dass dort was Größeres dran war. Der Fisch zog stur am Grund entlang und zeigt eine enorme Gegenwehr. Nach 45 Minuten Drill war der Fisch im Kescher und konnte auf die bereitgelegte Abharkmatte samt Wiegeschlinge gelegt werden. Was die Waage anzeigte, erfreute mich: 19,5kg PB Nummer 3 in einem Jahr. In der nächsten Nacht konnte ich noch je Rute 1 Fisch mit 24 und 33 Pfund erlangen. Somit war für mich bewiesen, dass die größeren Karpfen oft näher an unseren Füßen sind als man denkt. Auf diese Methode konnte ich im Herbst noch einen Karpfen von 37 Pfund landen.
Es muss wie gesagt nicht immer 90Meter + sein.

Ein Bericht von Marcel Rondé